STUDIEN

STUDIEN
PLANUNG VOR DEM VORENTWURF

Gerade sehr früh im Projekt werden naturgemäß die wichtigsten und kostenintensivsten Entscheidungen gefällt. Oft zeigen sich deren Konsequenzen erst viel später im Bauprozess, wenn Änderungen nur noch schwer möglich sind.
Daher halte ich diese Planungsphase „Studie (LP 0)“ für einen der wichtigsten Planungsschritte überhaupt.

Der Bedarf des Bauherrn, die Nutzungsmöglichkeiten, verschiedene Sanierungsmaßnahmen usw. können geprüft werden ohne schon zu detailliert in die Vorentwurfsplanung einzusteigen.

Dies ermöglicht eine offene Sicht auf das Projekt, so dass Bauherr und Planer oftmals Lösungen bzw. Konzepte finden, die sonst nicht entdeckt worden wären.

Um den Aufwand möglichst gering zu halten, geht diese Planung nicht ins Detail, sondern betrachtet die Gesamtanlage aus der nötigen Distanz heraus. Dadurch können jedoch alle zukünftigen Maßnahmen in ein tragfähiges Gesamtkonzept eingebettet werden.
Es wird eine Vision des Hauses / Projektes formuliert.

Oftmals kann das Ergebnis der Studie auch anteilig für die Vorentwurfsplanung genutzt werden, so dass nur geringe bis keine Mehrkosten entstehen.

BEISPIEL
UMBAU EINER SCHEUNE ZUM WOHNHAUS

Die Studie sollte vor dem Erwerb der Scheune erfolgen, um die Möglichkeiten und die Konsequenzen eines Umbaus zum Wohnhaus vor dem Kauf zu klären.

Bauherr: privat
Planung und Realisierung: Herres&Pape Architekten PartGmbB
Wohnfläche: 110 m² beheizt

BESTAND

KONZEPT

Im Erdgeschoss der Scheune wird eine Holzbox eingestellt.
Diese Box, nur über dem Gewölbekeller, und der Dachraum beherbergen die beheizten Wohnräume.
Die riesige Tenne bleibt unangetastet. Sie ist zwar kalt, aber durch Innenfenster mit dem Wohnraum verbunden. Sie ist natürliche Erweiterung des Wohnraumes.
Durch diese Anordnung werden die Eingriffe in den Bestand minimiert und damit die Kosten gesenkt.

Der Anbau im Norden wird abgerissen. Er ist für die städtebauliche Situation auf dem Grundstück am wenigsten wichtig; vielmehr tut hier ein Aufräumen gut.
So entstehen rings um die Scheune großzügige und abwechslungsreiche Aussenräume.
Im Erdgeschoss ist die Wohnküche untergebracht, hier ist das Leben. Direkter Zugang zur Terrasse mit Morgensonne und zur Tenne erweitern den Lebensraum optisch und tatsächlich.
Über der Box im Wohnzimmer und über der Tenne zum Garten hin sind Lichträume in der Decke ausgespart. Hier sind die Räume bis zu 8 m hoch und von oben belichtet.
Im Obergeschoss sind die privateren Räume.
Im Treppenbereich ist ein offener Flur mit Verbindung zum Luftraum des Wohnzimmers.
Es ist ein besonderes Konzept: Der eigentliche Wohnraum ist für ein Einfamilienhaus klein. Durch den Einbezug der
anderen Gebäude, des Durchgangs zwischen Scheune und Stall, durch Terrassen, offene Lüfträume und die Tenne, ist der Lebensraum jedoch riesig. Die Unterhalts- und Herstellungskosten sind dabei etsprechend relativ niedrig.
Ein riesiges Haus mit einem relativ kleinen, geheizten Kern. Mit den Jahreszeiten dehnt man den Lebensraum aus und zieht ihn zusammen.
Der Stall im Süden soll erhalten bleiben. Lediglich der hintere Teil, über dem zweiten Gewölbekeller, wird zurückgebaut. Hier entsteht eine leicht erhöhte Terrasse nach Südosten: Abendsonne. Im Stall können die Fahrzeuge und Stauraum
untergebracht werden.
Der Charakter der Gesamtanlage bleibt erhalten, wird sogar zum Schaffen komplexer Raumbezüge genutzt. Die Trennung zwischen Privat und Öffentlich (auch zu den Mietern im Wohnhaus) ist jederzeit gegeben.

PLANUNG