ALTER GÜTERBAHNHOF REMAGEN

ALTER GÜTERBAHNHOF REMAGEN
Energetische Ertüchtigung und Umbau zum Bürogebäude für ein Holzbau-Ingenieurbüro

Bauherr: PIRMIN JUNG Deutschland GmbH
Planung und Realisierung Innenausbau: Herres&Pape Architekten PartGmbB
Planung und Realisierung Fassade und Aussenraum: Mertens Architekten BDA
Bauzeit / Fertigstellung: Juli 2019 - Juli 2020
BGF und BRI: 1.232,90m², 4.670,13 m³
Fotograf: Dominik Ketz Photography

VORGEHEN UND ENTSCHEIDUNGSFINDUNG

Der ehemalige Güterbahnhof Remagen bestand aus einer langgestreckten, massiv gebauten Halle längs der Gleise und einem zweigeschossigen Kopfbau, der früher Büro und Wohnung beherbergte. Das in Sicht-Backsteinen ausgeführte Gebäude sollte energetisch optimiert, umgebaut und so der neue repräsentative Sitz eines Ingenieurbüros für Holzbau werden.

Das Planungsteam war mit verschiedenen Anforderungen konfrontiert, die teilweise miteinander in Konflikt standen. So sollte unbedingt der Charakter der großen Halle erhalten, zugleich aber ein angenehmes (Büro-) Arbeitsumfeld geschaffen werden. Der Backstein als vorherrschendes Material sollte sichtbar bleiben, aber das Thema Holz im Entwurf deutlich thematisiert werden. Schließlich musste das Gebäude energetisch ertüchtigt werden, ohne seinen Charakter durch neue Wandschichten zu verlieren.

Um die Dämmung unterzubringen, musste entweder innen oder außen auf den eigentlich reizvollen Anblick der rohen Backsteinwände verzichtet werden. Nicht nur aus bauphysikalischen Gründen fiel die Entscheidung auf eine Aussendämmung. Die neue Holzfassade verändert die Ansichten der früher backsteinsichtigen Halle zwar enorm, zugleich nimmt sie aber in abstrahierter Form Bezug auf die Holzverkleidungen unzähliger Güterhallen und Zweckbauten der Bahn aus der Entstehungszeit des Güterbahnhofes. Die bewusst rauhe Ästhetik der neuen Fassade nimmt Bezug auf den Bestand.

Das massive Backsteinmauerwerk blieb dafür im Inneren der Halle sichtbar. Das Thema Holz wird hier in verfeinerter Form bespielt, indem hölzerne Raumzellen den weiträumigen Innenraum gliedern und die Funktionalität eines zeitgenössischen Bürobetriebs gewährleisten. Die Raumboxen nehmen dabei Funktionsräume (Teeküche, Plotterraum, Küche), Besprechungsräume und Ruhearbeitsräume auf.

Hier herrscht eine klare Hierarchie der Materialien. Die alten Backsteinwände muten eher roh an, die Konstruktion der Raumzellen aus Douglasie ist in Zimmermannsqualität erbaut. Im Inneren der Raumzellen schließlich sind feine Möbel und Oberflächen aus astreiner Weißtanne, kombiniert mit einzelnen Polsterungen, angeordnet. So konnte die ursprüngliche rauhe Atmosphäre der massiv gemauerten Halle weitgehend erhalten bleiben. Die kleineren Innenräume der Raumzellen bieten die nötige Intimität und Ruhe, auch in gestalterischer Hinsicht. Aus massivem Bestand und hölzernen Ergänzungen entsteht ein neues stimmiges Gesamtbild.

Ziel des Entwurfes war ein Umbau, der den neuen Anforderungen voll gerecht wird, eine möglichst gute und inspirierende Arbeitsatmosphäre bietet und zeitgenössische energetische Anforderungen erfüllt. Dabei sollte die Geschichte des Gebäudes präsent bleiben, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu spielen. Das Ergebnis ist keine Güterbahnhofshalle mehr – aber sie ist immer noch präsent.

INNENAUSBAU
Herres & Pape Architekten PartGmbB

KONZEPT
Im Inneren bleiben die Ziegelwände und die historischen Dachbinder sichtbar.
Um einerseits den eindrucksvollen Hallenraum erfahrbar zu lassen, andererseits ein angenehmes Arbeitsumfeld zu schaffen, nehmen drei Raumboxen aus Holz und Glas die Funktionsräume des Büros auf und bieten Rückzugsmöglichkeiten an.

BESONDERHEITEN
Wie kann man ein angemessenes Arbeitsumfeld für ein Holzbau-Ingenieurbüro in einer eindrucksvollen Halle aus Backstein schaffen?
Gerade aus der Kombination des massiven Bestandes mit den neuen, hölzernen Komponenten entsteht die Wirkung des Entwurfes.

KONSTRUKTION
Die Halle besteht nun aus drei Schichten, wobei die beiden neuen aus Holz gefertigt sind. Die Raumboxen innen sind selbsttragende Konstruktionen auf Ständerwerk aus Douglasie. Die Backsteinwände der alten Halle tragen das historische Dachtragwerk. Die Holzfassade und die neue Dachdämmung schliesslich tragen sich in großen Teilen selbst und bilden die neue Hülle des Gebäudes.

THEMA HOLZ IM PROJEKT
Die Fassade spielt mit den verschiedenen Bedeutungen des Themas Holz. Einerseits wirkt sie, auch durch die dreidimensionale Wirkung, sehr zeitgenössisch. Andererseits bezieht sie sich klar auf historische, pragmatische Holzkonstruktionen von Zweckbauten aus der Erbauungszeit des Güterbahnhofs. Die hölzerne Hülle versteckt nicht ihre technische Funktion und ihre Neuheit, ordnet sich aber dennoch
der bestehenden Kubatur und der historischen Bedeutung des Bestandes unter.
Die innen sichtbar belassenen rauhen Backsteinwände setzen die hölzernen Boxen in Szene. Deren Gestaltung ist eine bewusste Komposition aus verschiedenen Holzarten – von der Douglasie der Konstruktion, über Weißtanne, MDF, hölzerne Akustikelemente, Parkett aus Baubuche bis hin zu Holzfaserplatten als Akustikbekleidung – und bezieht sich auf die Materialien, mit denen die im Haus arbeitenden Ingenieurinnen und Ingenieure täglich umgehen. Das Holz als zentrales Gestaltungsmittel wirkt dabei immer im Dialog mit dem massiven Bestand.

KONZEPT AUSSEN
Mertens Architekten

Die bestehende Halle aus Backstein wurde komplett mit einer energetisch hocheffizienten Holzfassade umkleidet.
Eine vertikale Balkenstruktur bildet die äussere Schicht.
Die Balken sind dreidimensional profiliert und verleihen so der Fassade gerade in der Perspektive eine subtile Dynamik.

BAU PROZESS

Hier ein kleiner Einblick....

PLANUNG / MODELLBAU / MOCKUP